Die Liedermacherin Sarah Lesch gastierte in der Kaldenkirchener Kulturaula und erfüllte in der Vorweihnachtszeit die Wünsche der Zuschauerinnen und Zuschauer.

Nettetal (von Uli Rentzsch) 17. Dezember 2025 Sarah Lesch war in der Stadt. Die Liedermacherin traf in der Kaldenkirchener Kulturaula am Freitag (12. Dezember) auf ein zwar nicht ausverkauftes Haus, dafür auf ein neugieriges, kundiges Publikum, das textsicher manche Passage mitsang. Das ist umso beeindruckender, da Sarah Lesch in ihren Liedern die Worte eben nicht mit dem Ziel auswählt, eine beiläufige Vergänglichkeit zu schaffen, sondern sich auf die eigene genaue Begrifflichkeit und anhaltende Wirkung verlässt.
„Weihnachtswunschkonzert“ hieß ihr Programm, und man durfte Sarah Lesch beim Wort nehmen. Das Publikum wählte aus dem Songbook der gebürtigen Altenburgerin genau die Songs aus, die für die Wünschenden eine ganz persönliche Bedeutung hatten. Und so notierte Heidi den Song „So kleine Hände“ aus, ein Lied ursprünglich von Bettina Wegner, den Sarah Lesch gleich an den Beginn des Abends setzte und damit die Atmosphäre für das über zwei Stunden dauernde Konzert schuf. Lara wünschte sich „Die Löwin“, Uwe den Song „Ich trag dich nach Haus“, Jessie das „Löwenzahn im Wind“ – weil es so Zuversicht gibt. Und Sarah Lesch ließ ihr „Testament“, ein Lied für ihren Sohn, nicht aus, stellte auch einen neuen Song vor: „Manchmal reden zwei von Liebe“ – und meinen doch etwas ganz anderes.
Sarah Lesch griff gelegentlich zu ihrer Ukulele, setzte dann und wann akzentuierte Töne auf dem Omnichord. Die großen, den großartigen, musikalischen Part übernahm Philipp Wiechert mit der Gitarre und dem sechssaitigen Banjo, durfte in seinen Soloparts glänzen. Die Sängerin selbst legte ihren Fokus eher auf das Wort, leuchtete mit ihren Reimen in die Ecken unserer Seelen, unserer Befindlichkeiten, unserer Zwischenräume, Nöten und Hoffnungen. Dabei gelang es ihr, und zwar ohne jeden Blick von oben herab, auch politisch Stellung zu beziehen. „Kapitalismus“ ist solch ein Beispiel, das kurzerhand an den ehemaligen Finanzminister Christian Lindner adressiert wurde. Und auch das von Sarah Lesch rezitierte Gedicht „Ansprache an Millionäre“ von Erich Kästner passte perfekt ins Bild: „Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten“, heißt es da. Das von Kästner angesprochene „Ihr“ könnte doch das heutige „Wir“ sein, vermutete die Liedermacherin.
„Ich kann nur e- und a-moll“, stapelte Sarah Lesch ganz tief. Denn ihre Songs, in beste Liedermachertraditionen gepackt, zeichnen sich durch diese besondere Energie aus, die Wort und Ton zu einer klaren Aussage verbinden. Die Akkorde treiben weiter, bleiben einfach nicht stehen, was im Resultat in einen nie ermüdenden Abend mündete. Und noch eine Konsequenz: Applaus, stehende Ovationen, Zugabe. Sarah Lesch war in der Stadt.
Informationen zu Sarah Lesch gibt es hier.
Der Text erschien zuerst in der Rheinischen Post, Ausgabe Viersen, am 15. Dezember 2025.
